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Australien Freunde

Ich kenn da jemanden in Australien…

Als ich angefangen habe, darueber nachzudenken, nach dem Studium fuer ein Jahr nach Australien zu gehen, waren ploetzlich alle um mich herum selbst schon einmal da gewesen oder kannten jemanden, der sich gerade am anderen Ende der Welt aufhaelt. Das war natuerlich super praktisch. Ich habe tausend Tips und Adressen bekommen, die mir in Down Under weiterhelfen sollten.

Fuer den Fall, dass ich nach Melbourne komme, wollte ein guter Freund einem seiner guten Freunde ☺ bescheid geben, damit der sich bei mir melden koennte. Gesagt getan. Ich komme in Melbourne an – seit einer Woche stolze Besitzerin einer australischen Handynummer- und bin ganz heiss darauf von einem echten Australier (in Wirklichkeit einem eingewanderten Tuerken) kontaktiert zu werden. Und tatsaechlich, nach nur einem Tag habe ich eine message auf meiner mailbox. “Herzlich willkommen in Australien.

Habe gehoert, dass du in Melbourne bist und vielleicht Hilfe brauchen koenntest… Ruf mich an und wir sehen, was sich machen laesst…” Tja und dann in einem Affenzahn eine Telefonnummer. Auf englisch natuerlich. Ich weiss gar nicht, wie oft ich diese Nachricht abgehoert habe, aber es hat nicht gereicht, um die Nummer von Anfang bis Ende zu verstehen.

Selbst englischsprachige Passanten, die ich in meiner Not auf der Strasse angesprochen habe (Australier sind unheimlich hilfsbereit) konnten mir nicht mehr sagen, als dass, was ich selbst (nicht) verstanden habe. Gibt es einen tuerkischen Geheimakzent, der fuer den Rest der Welt nicht zu entschluesseln ist? Vielleicht sollte ich doch einfach mal die Nummer anrufen, die ich bis dato verstanden hatte… Es klingelte und am anderen Ende ging auch tatsaechlich jemand ans Telefon.

Ueberrascht wie ich war, wusste ich ploetzlich ueberhaupt nicht mehr, was ich sagen wollte und hab nur daemlich vor mich hingestammelt, ob denn der, den ich sprechen wolle am Telefon sei. Und noch ueberraschter war ich, als dieser auch noch mit “Yes I am” antwortete.

Gluecklich hab ich drauf los geplappert und mich erst nach einigen Sekunden gewundert, warum denn jetzt der andere so gar nix mehr sagt. Wir haben uns bestimmt eine Minute angeschwiegen, bevor ich das Telefonat abgebrochen habe. Das war doch irgendwie komisch. Entaeuscht habe ich das Telefonieren erst einmal sein gelassen und angefangen, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden.

Das wird einem in Melbourne uebrigens sehr einfach gemacht. Super Angebote fuer Touristen. Ueberall laufen nette Menschen in roten Westen herum, die einem erklaeren wollen, wie man am besten von A nach B kommt und welche Plaetze man unbedingt besuchen muss. Ueberwaeltigt von so vielen neuen Eindruecken, habe ich mein peinliches Telefongespraech sogar vergessen koennen.

Im Hostel angekommen, habe ich dann all meinen Mut zusammengenommen und wollte doch noch einmal versuchen, meine “Kontaktperson” zu erreichen. Der Mensch am anderen Ende war wieder nicht sehr gespraechig, aber ich habe wenigstens erklaeren koennen, wer ich bin und was ich will. Und…kaum zu glauben, mein Gespraechspartner taute auf… Obwohl Richard eigentlich gar nicht der war, den ich erreichen wollte, haben wir uns einige Telefonate spaeter sogar getroffen. Er hat mir die bei Tousisten weniger bekannten Orte in Melbourne gezeigt und wir hatten jede Menge Spass.

So einfach kanns gehn!

Adrian, der mir seine Nummer so schnell auf die mailbox gesprochen hatte, hat mich irgendwann per sms erreicht. Da war ich aber leider schon auf dem Weg in die Snowy Mountains, um dort einen voellig fremden Farmer zu treffen, der mir Arbeit versprochen hatte.

Wenn mir jetzt jemand erzaehlen wuerde “hey, ich fliege demnaechst nach Melbourne…” wuerde ich antworten “du, ich kenn da jemanden…” Ich wuerde allerdings dafuer sorgen, dass derjenige dann die Telefonnummer oder E-Mailadresse noch in Deutschland bekommt.